Immuntherapie gegen Eierstockkrebs

Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI unterstützt das australische Biotechnologieunternehmen Prima BioMed Ltd. bei der Prüfung und Zulassung eines neuen Therapieverfahrens zur Behandlung von Eierstockkrebs. Das zellbasierte, autologe Immuntherapeutikum (Arzneimittel für neuartige Therapien – ATMP) soll im Rahmen einer klinischen Studie auf seine Effizienz und Sicherheit geprüft werden, um eine Zulassung für den klinischen Einsatz in Europa zu erwirken.

Das Fraunhofer IZI gestaltet dafür den Prozesstransfer, etabliert entsprechende Qualitätsstandards gemäß GMP und validiert sämtliche Methoden innerhalb der Prozesskette. Im Rahmen der klinischen Studie werden die Prüfpräparate in den Reinräumen des Fraunhofer IZI hergestellt, auf Qualität geprüft und anschließend für die Anwendung freigegeben.

Ovarialkarzinome (Eierstockkrebs) gehören zu den häufigsten Krebserkankungen bei Frauen. Die Therapie der bösartigen Erkrankung sieht die operative Entfernung des Tumors und eine sich daran anschließende Chemotherapie vor. Beide Behandlungsformen stellen eine große Belastung für die Patientinnen dar. Entscheidend für die Prognose ist neben dem Stadium, in der die Erkrankung festgestellt wird, vor allem die Menge der verbleibenden Tumorzellen nach der Operation.

Da ein Großteil der Befunde erst in einem fortgeschrittenen Stadium erstellt wird, sind die Prognosen trotz Therapie meist schlecht. Ein neues immuntherapeutisches Verfahren, das zusätzlich zu den oben genannten Standardtherapien angewendet wird, soll dazu beitragen die Überlebensraten zu verbessern.

Das australische Unternehmen Prima BioMed Ltd. entwickelt eine autologe (körpereigene) Immuntherapie zur Behandlung des epithelialen Ovarialkarzinoms. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI sollen Effizienz und Sicherheit des neuen Verfahrens im Rahmen einer klinischen Studie überprüft und der Weg zu einer europäischen Marktzulassung geebnet werden.

Die autologe Immuntherapie CvacTM basiert auf der Modifikation körpereigener Immunzellen. Da sich Tumore aus entarteten Körperzellen entwickeln, entgehen sie auf verschiedene Weise der Immunabwehr. Das Immunsystem erkennt die Tumorzellen nicht als fremd oder entartet und toleriert deren Wachstum.

Das CvacTM-Verfahren modifiziert spezialisierte Immunzellen der Patientin, damit diese verschiedene tumorspezifische Abwehrmechanismen des Immunsystems aktivieren. Diese sogenannten Dendritischen Zellen werden dabei auf ein bestimmtes Protein (Biomarker) geprägt, das in einer speziellen Modifikation hauptsächlich auf Tumorzellen, nicht aber auf gesunden Körperzellen vorkommt. Das Immunsystem ist nach einer solchen Therapie in der Lage, die Tumorzellen gezielt anzugreifen, ohne gesunde Zellen zu beeinträchtigen. Dadurch ist diese Behandlungsform eine sinnvolle Ergänzung zur Standardtherapie (in der Regel Chemotherapie) und verspricht eine Verringerung der Rückfallquoten.

Die Aufgabe des Fraunhofer IZI bestand zunächst im Prozesstransfer. Dazu wurde das Herstellungsverfahren des zellbasierten Immuntherapeutikums inklusive der notwendigen Qualitätskontrollen zusammen mit dem Kunden in Leipzig etabliert, sukzessive weiterentwickelt und an europäische gesetzliche Standards angepasst. Sowohl der Herstellungsprozess, als auch die freigaberelevanten  Qualitätskontrollen, wurden einer Validierung gemäß den gängigen Gesetzen und Richtlinien unterzogen (z.B. gemäß Anhang 15 des EU-GMP-Leitfadens, Europäisches Arzneibuch und ICH Guideline Q2A/2B).

Die Validierung der analytischen Methoden umfasste insbesondere die Durchflusszytometrie, aber auch die Testung auf Sterilität, Bakterien-Endotoxine und Mycoplasmen. Zudem ist die Qualifizierung der klinischen Partner notwendig, um eine qualitativ hochwertige Gewinnung des individuellen zellulären Ausgangsmaterials zu gewährleisten. Dieses wird anschließend ausschließlich in der Reinraumanlage des Fraunhofer IZI unter sterilen Bedingungen zu CvacTM verarbeitet.

Darauf aufbauend konnte bereits die Herstellungserlaubnis gemäß §13  Arzneimittelgesetz bei der zuständigen pharmazeutischen Überwachungsbehörde (Landesdirektion Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut) erwirkt werden. Mit der behördlichen Erlaubnis ist nun die Voraussetzung gegeben, die zellbasierten klinischen Prüfpräparate für die klinische Prüfung zur Verfügung zu stellen.

Das gemeinsame Projekt wird über die Sächsische Aufbaubank mit 4,1 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.