Pflanzenschutzmittel – Risikobewertung mit Geodaten

Im GeoRisk-Projekt wurde ein neuer Ansatz der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln für Obst-, Wein- und Hopfenkulturen in Deutschland weiter entwickelt und bewertet. Ziel des Ansatzes ist eine realitätsnähere Risikoabschätzung durch die Nutzung von Geodaten und probabilistischen Verfahren. Dadurch wird es möglich, die bestehenden maximalen Abstandsauflagen zu reduzieren, ohne den Schutz der aquatischen Populationen zu verringern.

Ein Hauptergebnis des Projektes ist die Empfehlung eines realistischeren dynamischen Expositionsmodells anstatt des bis dahin geplanten statischen Modells. Vorschläge für die notwendigen Schritte zur Einführung des Ansatzes auf alle Raumkulturen in Deutschland inklusive der Implementierung des notwendigen Hotspotmanagements wurden erabeitet.

Abschlussbericht "Georeferenced Probabilistic Risk Assessment of Pesticides"

Die Intention des GeoRisk-Projektes war, die wissenschaftliche Basis und die Möglichkeiten für die Einführung einer georeferenzierten
probabilistischen Risikobeurteilung für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland weiter zu entwickeln und den Ansatz zu bewerten. Dabei lag der Fokus auf Drifteinträgen aus Dauerkulturen (Hopfen, Wein, Obst) in Oberflächengewässer in der Nähe der Kulturen.

Übergeordnetes Ziel dieses neuen Ansatzes ist es, eine realitätsnähere Risikoanalyse als mit dem zurzeit verwendeten Worst-Case-Szenario-Ansatz zu ermöglichen. In der Konsequenz würde dies die Vereinfachung und Verringerung der heutigen Abstandsauflagen ermöglichen ohne den Schutz der aquatischen Populationen zu verringern.

GeoRisk wurde vom Umweltbundesamt gefördert (UBA Projekt  Nr 3707 63 4001).

Laufzeit: 02.2008 - 10.2011, Endbericht vom 10.10.2011

Das Projektkonsortium bestand aus insgesamt 16 Wissenschaftlern aus sechs Instituten, die mit Hilfe von Telefonkonferenzen, Emails, Google-Groups und acht Projekttreffen zusammenarbeiteten. Die Aufgaben waren in sechs verschiedenen Arbeitspaketen organisiert:

  1. Annahmen und Eingabeparamter des Expositionsmodells
  2. Implementierung in GIS
  3. Ökologische Bewertung mittels Hotspot-Kriterien
  4. Bewertung und Implementierungsmöglichkeiten des Ansatzes
  5. Übertragbarkeit auf andere Eintragspfade und auf Feldkulturen
  6. Projektmanagement und Organisation eines Workshops.


Für das Projekt wurde ein wissenschaftlicher Beirat mit weiteren Experten gebildet, mit dem der jeweilige Projektfortschritt auf zwei Beiratssitzungen diskutiert wurde. Weiterhin wurde im November 2009 ein dreitägiger Workshop im Umweltbundesamt in Dessau mit insgesamt 34 Teilnehmern aus Forschung, Behörden und Industrie organisiert.


Der erabeitete GeoRisk-Ansatz beruht auf folgenden fünf Elementen:

  1. Georeferenzierte probabilistische Berechnung der Einträge durch Drift und Verflüchtigung / Deposition in Gewässern in der Nähe landwirtschaftlicher Raumkulturen (Hopfen, Wein, Obst) sowie der sich ergebenden initialen Konzentration in stehenden Gewässern
  2. Berücksichtigung von Transport und Verdünnung in Fließgewässern durch ein dynamisches Expositionsmodell
  3. Identifizierung ökologisch kritischer Häufung von Gewässerabschnitten mit hohem Risiko von Effekten auf der Basis tolerierbarer Effekte aquatischer Populationen (»Hotspots«)
  4. Implementierung eines räumlich differenzierten Risikomanagements in den Hotspots
  5. Zulassung von Produkten, wenn durch deren Anwendung keine neuen Hotspots entstehen.

Ein Hauptergebnis des Projektes ist die Empfehlung des realistischeren dynamischen Expositionsmodells an Stelle des bisher geplanten statischen Modells für ein Standardgewässer. Für eine flächendeckende Umsetzung in Deutschland liegen jedoch noch nicht ausreichend Eingangs-Geodaten vor, so dass das dynamische Modell nur auf zwei Beispielgewässer in der Hallertau angewandt werden konnte.

Die für diese Gewässer erzielten Ergebnisse konnten zu einer ersten Hochrechnung der zu erwartenden Managementsegmente in Deutschland herangezogen werden. Übertragen auf alle Sonderkultur-Anbaugebiete in Deutschland (außer dem Alten Land) führt das zu der vorsichtigen Einschätzung, dass unter den hier gewählten Voraussetzungen für die Berechnung deutschlandweit mit ca. 200 km potentiellen Managementsegmenten für die Sonderkulturen gerechnet werden kann.

Vorschläge für die notwendigen Schritte zur Einführung des Ansatzes auf alle Raumkulturen in Deutschland inklusive der Implementierung des notwendigen Hotspotmanagements wurden erarbeitet.

Der wichtigste Vorteil des vorgeschlagenen GeoRisk-Ansatzes liegt darin, dass durch die realitätsnähere georeferenzierte Risikoanalyse das Risikomanagement auf solche Gewässerabschnitte fokussiert werden kann, die für die Vermeidung nicht akzeptabler Effekte auf aquatische Populationen am wichtigsten sind, nämlich die mit potentiell hohen Einträgen von Pflanzenschutzmitteln (Hotspot-Management).

Als Folge eines solchen räumlich differenzierten aber produktunabhängigen Risikomanagements ergibt sich die Möglichkeit, produktbezogene Anwendungsauflagen auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren, welches den Schutz der Gewässer weiterhin gewährleistet.

RLP AgroScience GmbH
Institute for Agroecology
Prof. Roland Kubiak
Breitenweg 71
D - 67435 Neustadt a.d. Weinstraße

www.ifa.agroscience.de
Julius-Kühn-Institut, Kleinmachnow
ILR, Universität Gießen
RWTH Aachen
gaiac, Aachen